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Wie Radwege heil bleiben

In den vergangenen zwei Jahrzehnten sind in Deutschland viele Tausend Kilometer neue Radwege entstanden. Allein in Brandenburg gibt es nach Angaben des Wirtschaftsministeriums knapp 4500 Kilometer solcher Strecken für die touristische Nutzung. In diese Wege wurden etwa 200 Millionen Euro investiert. Problem: Wurzeln können die asphaltierten Routen zerstören. Das Lübbener Unternehmen Reinhardt Feind kann dem mit einer neuen Maschine vorbeugen.

Oft währt sie nicht lange, die Freude über einen neuen asphaltierten Radweg. Schon nach drei bis fünf Jahren können sich die ersten Risse in der Oberfläche zeigen. Wurzelwerk hebt den Asphalt an und bricht ihn schließlich auf. So werden der schönste Radweg zum Waschbrett und seine Sanierung für die jeweilige Kommune eine teure Angelegenheit. Auch der 59-jährige Reinhardt Feind, der gern mal aufs Rad steigt, hat sich schon oft über Huckelpisten geärgert.

Vor allem aber hatte seine Firma, die auch die Bezeichnungen Garten- und Landschaftsbau sowie Baumdienst im Namen trägt, Anfragen aus Kommunen, ob sich das Wurzelwerk nicht bändigen lässt. Seit Ende Mai kann er die Frage bejahen. Nach Ideen der Lübbener baute ein fränkischer Maschinenbauer ein Gerät an die rechte Seites eines kleinen Lkw. Es handelt sich um eine Fräse, die in das Erdreich neben einem Radweg oder einer Straße einen fünf Zentimenter breiten und bis zu 80 Zentimeter tiefen Schlitz niederbringt.

Im gleichen Arbeitsgang versenkt eine Vorrichtung in diesen Schlitz eine überaus stabile Folie. Ein drittes Gerät am Lkw verfüllt den Schlitz wieder, ein nachfolgendes Verdichterfahrzeug verfestigt das Erdreich, wie Feinds Mitarbeiter Frank Lessig erläutert.

Barriere für Wurzeln

Die Folie lässt Wurzeln nebenstehender Bäume und Sträucher nicht unter den Asphalt. Seit Ende Mai ist das nach Firmenangaben weltweit einmalige Verfahren, für das Gebrauchsmusterschutz besteht, für drei Radwege eingesetzt worden. Einer entstand in Regie des Bergbausanierers LMBV am Bärwalder See bei Boxberg (Kreis Görlitz), einer führt von Eisenhüttenstadt nach Diehlo (Oder-Spree) und einer von Kemlitz nach Dahme (Teltow-Fläming). Die Maschine wurde in den vergangenen Wochen etlichen Kommunen in Brandenburg vorgestellt, in den nächsten Wochen geht sie auch auf Werbetour in Mecklenburg-Vorpommern.

Dieses Bundesland hat in den vergangenen 15 Jahren 130 Millionen Euro in Radwege investiert. Der Fahrradbericht der Staatsregierung Sachsens (2009) weist vergleichbare Daten nicht aus, da er sich speziell mit Radwegen an Straßen befasst. Für diese wurden 2005 bis 2008 mehr als 20 Millionen Euro ausgegeben. Hinzu kommen Investitionen in touristische Radwege.

Mit ihrem neuen Angebot will die Lübbener Firma dazu beitragen, dass all diese Millionen sinnvoll angelegt bleiben. Geschützt werden aber nicht nur Radwege und Straßen, sondern auch die Bäume und Sträucher, deren Wurzelwerk später nicht – um den Asphalt zu retten – durchtrennt werden muss. Deshalb heißt die Maschine Wurzelschutzfräse.

Für die Lausitzer erschließt sich mit der Neuentwicklung zugleich ein fünftes Geschäftsfeld. Erster Arbeitsschwerpunkt ist bisher das Baufeldberäumen, hauptsächlich im Zusammenhang mit dem Bau von Straßen. Dazu werden Bäume und Sträucher entfernt. Von 2006 bis 2008 war die Firma intensiv in Polen tätig, hat unter anderem beim Autobahnneubau von Zgorzelec nach Wroclaw einen 25 Kilometer langen Abschnitt beräumt. Im Winter 2006/07 hat sie die gesamte Baufeldberäumung für den neuen Flughafen Berlin Brandenburg International in Schönefeld erledigt.

Das Anlegen und Pflegen von Straßenrändern ist ein zweiter Schwerpunkt. Die Ränder können als Rasenstreifen ausgeführt, mit Schotter befestigt oder gar asphaltiert werden.

Gewässer- und Deichbau

Einen dritten Schwerpunkt bilden Arbeiten an Gewässern. So werden jährlich 4000 Kilometer Gräben entkrautet und die Böschungen gemäht. Auch das Entschlammen von Gewässern gehört zum Firmenprogramm. Das Unternehmen ist viertens im Deichbau tätig, hat 2008 acht Kilometer Oderdeiche bei Brieskow-Finkenheerd (Oder-Spree) und Hohenwutzen (Barnim) saniert.

Quelle: LR-Online von Rolf Bartonek